Gut gemacht!
engl.
How do we form our judgments, and how do norms change as society evolves? ‚Gut gemacht!‘ (‚Well Done!‘) examines systems of values and makes visible how artists resist the rules of art. In a staged courtroom scenario, four friends and choreographers inhabit works beyond good and bad—through dance, tutorials, acting, and autobiographical songs. Sources from other times and autobiographical discourses are brought together to make the present tangible as a historical period and to invite the audience to reflect on contemporary habits of perception and evaluation.
de.
Wie entstehen unsere Urteile, und wie verändern sich Normen im Wandel der Gesellschaft? ‚Gut gemacht!‘ bricht Wertesysteme auf und macht sichtbar, wie Künstlerinnen den Regeln der Kunst widerstehen. In einer gespielten Gerichtssituation bewohnen die vier befreundeten Choreograf*innen Werke jenseits von gut und schlecht – mit Tanz, Tutorials, Schauspielszenen und autobiografischen Liedern. Quellen aus anderer Zeit und autobiografische Diskurse werden zusammengeführt, um die Gegenwart als historische Periode erfahrbar zu machen und das Publikum zur Reflexion gegenwärtiger Wahrnehmungs- und Bewertungsgewohnheiten einzuladen.
Das auf Freundschaften basierende temporäre Kollektiv greift Arbeiten der „Genialen Dilletanten“ (West-Berlin) und Gabriele Stötzer (Erfurt, DDR) in einer Gerichts- und Spielsituation auf, um über Werteverschiebungen zu reflektieren, und verwebt diese mit autobiografischen Erfahrungen. Mit Witz und Schärfe hinterfragt das Quartett Prozesse der Urteilsbildung in Kunst und Kultur.
In Nadia Lauros visueller Installation, einem überdimensionalen Billardtisch, entfaltet sich ein Feuerwerk vielfältiger Referenzen an Genres, von der Bauchrednerei bis zum Stummfilm. Die vier Choreograf*innen bewohnen Werke, die jenseits von gut und schlecht existieren – Werke, die ihre eigenen Kunstregeln aufstellen. So wird beispielsweise Kurt Schwitters’ ‚Ursonate‘ in einer bewusst „schlecht entsinnten“ Version als Antwort auf die Frage nach Sinngebung vorgetragen. Claire Vivianne Sobottke singt das Lied, das Tabea Blumenschein in dem Film ‚Bildnis einer Trinkerin‘ von Ulrike Ottinger von sich gibt; die Gruppe lip-synct den Track ‚Die Schuldstruktur‘ von der ‚Tödlichen Doris‘ nach verschiedenen absurden Gerichtsszenen im ersten Teil des Stückes. In einer Serie von Szenen eignet sich das Quartett das Äquivalenzprinzip des Fluxus-Künstlers Robert Filliou an und erprobt Tutorials sowie Schauspielszenen als „gut“, „schlecht“ oder „nicht gemacht“. Ergänzt wird dies durch Lieder mit autobiografischem Bezug, die Fragen der Selbst- und Fremdbewertung verhandeln. Zum Schluß wird durch Tanz und Diskussion auf den ‚Veitstanz/Feixtanz‘ von Gabriele Stötzer reagiert, der vor einem Erbgericht untersucht und mit autobiografischen Fragen aufgeladen wird.
Quellen aus einer anderen Zeit treffen auf autobiografisch gewachsene Diskurse. So lassen sich die Umgebung, Nachbarschaft und Inspirationen für die eigene Arbeit nachzeichnen – und andererseits wird die Notwendigkeit deutlich, auch die Gegenwart als historische Periode begreifbar zu machen.
‚Gut gemacht!‘ lädt die Zuschauenden dazu ein, ihre eigenen Gewohnheiten der Wahrnehmung und Bewertung von Performance und Kunst im Angesicht eines sich ständig wandelnden Dispositivs zu hinterfragen und sich bei der Entstehung ihrer Urteile zu beobachten.
Aus Affinität und langjähriger Freundschaft entstand der Wunsch, in der Konstellation eines temporären Kollektivs mit geteilter Autor*innenschaft zusammenzuarbeiten. 2006 bereisten Claire und Hermann mit der ‚Randshow‘ Peripherien zwischen Berlin und Kopenhagen. Jule und Claire begegnen sich seit 2009 in ihrer Praxis durch eine Obsession mit dem Verhältnis von Stimme und Tanz, die sie in diversen Zusammenarbeiten untersuchen, u.a. in ihrem Duett ‚Happiness is a war..m gun‘ (2009) und in ‚Celestial Sorrow‘ (2018) von Meg Stuart/Damaged Goods. Antonia und Jule entwickelten 2020-2022 das Duett ‘Die Hörposaune’ als Film und Liveperformance in einer visuellen installation von Nadia Lauro. Gemeinsam initiierten Jule und Hermann 2021 ‚Fortuna Wetten‘, einen nicht – institutionellen Raum in Berlin. Bei dem Glücksspielevent ‚Wheel of Fortuna‘ performten Antonia, Hermann und Jule 2023 eine Hommage an ‚Die Tödliche Doris‘.
Gut Gemacht!
By & with: Antonia Baehr, Jule Flierl, Hermann Heisig, Claire Vivianne Sobottke
In a visual installation by: Nadia Lauro
Concept: Antonia Baehr & Jule Flierl
Lighting design: Eduardo Abdala
Technical direction: Catalina Fernandez
Production: Alexandra Wellensiek (make up productions)
Production assistant: Izzy Collie-Cousins
A co-production of: Residenz Schauspiel Leipzig (DE), HAU Hebbel am Ufer, Berlin (DE), Les Bazis (St.-Croix-Volvestre) with support from the Marie-Therese Allier Foundation Fund for Contemporary Art (F).
Supported by: Fonds Darstellende Künste (Performing Arts Fund) with funds from the Federal Government Commissioner for Culture and the Media and the Berlin Senate Department for Culture and Social Cohesion
With the kind support of theaterhaus Berlin, Studio 2.2
Thanks to: The participants of the Fields Project workshop ‘The Ambition of Failing’ at Impulstanz Vienna 2024
Premiere: 17-18 December 2025, Residenz in der Spinnerei, Schauspiel Leipzig, Germany